Yoga und Traumaheilung

Wir haben eine ganze Zeit lang in einer Frauengruppe Yoga gemacht und nutzen einzelne Übungen heute immer noch für uns alleine, z.B. um Schmerzzustände oder Symptome von Körpererinnerungen besser bewältigen zu können, Verkrampfungen zu lösen, oder unseren Atemrhythmus zu regulieren/beruhigen.

Hier möchten wir unsere Yoga-Erfahrungen besonders im Zusammenhang mit Traumaheilung näher schildern.

Aufmerksamkeit/Bewusstheit:

Yoga bedeutet für uns vor allem ständige Bewusstheit und eine notwendige Fokussierung auf das Hier und Jetzt. Alle Übungen, jede Bewegung, jeden Moment versuchen wir, aufmerksam wahrzunehmen- was für uns schon eine schwierige Aufgabe sein kann. Deshalb beschäftigen wir uns eben nur so lange mit Yogaübungen, wie unsere Aufmerksamkeit es zulässt. Wenn wir merken, dass es uns nicht mehr gelingt, uns auf das, was wir tun, zu fokussieren, hören wir kurz damit auf, machen etwas ganz anderes (z.B. das Fenster öffnen, eine Runde durch den Raum gehen, Socken an- oder ausziehen, Augen öffnen oder schließen, hüpfen, mit den Armen schlenkern, usw.). Dann kehren wir zurück zum ursprünglichen Tun, probieren es noch mal neu- und beenden die Yoga-Einheit im Zweifelsfall ganz, bzw. verschieben sie auf einen späteren Zeitpunkt.

Jede körperorientierte „Heilungsarbeit“ kann belastende Gefühle auslösen, Dissoziationen hervorrufen und uns in Anspannung bringen- wenn wir das wahrnehmen, versuchen wir, uns dafür nicht zu verurteilen, sondern die Situation einfach zu realisieren und dann zu schauen, was uns helfen kann, eine positive Veränderung herbeizuführen. „Yoga und Traumaheilung“ weiterlesen

Das Mitgefühl halten

Wie ist das, wenn Therapeut*innen, Freund*innen, Partner*innen, u.a. Menschen mit schweren Traumafolgestörungen über viele Jahre oder Jahrzehnte begleiten?

Ohne Ein- und Mitfühlungsvermögen wird wohl keine stabile Beziehung aufgebaut und gehalten werden können. Das Gegenüber muss bereit sein, sich auf die Erlebens- und Wahrnehmungsrealität(en) des Anderen einzulassen und dabei auch in gewisser Weise mitzuschwingen. Auch in Krisen und Notfallsituationen „da“ zu sein bedeutet, Schmerz, Angst und andere heftige und belastende Emotionen wahrzunehmen, mit auszuhalten und oftmals nichts „Auflösendes“ tun zu können.

Das Leben mit Traumafolgen ist eine Berg- und Talfahrt, häufig und über weite Strecken mit mehr und sehr tiefen Tälern als Bergen. Wenn jemand dieses Leben (ein Stück weit) mitgeht, sei es in professionell helfender Position (z.B. Sozialarbeiter*innen, Therapeut*innen, Ärzte*innen, Familienhelfer*innen, o.a.) oder in privat begleitender Position (Freund*innen, Partner*innen, Angehörige, o.a.), erlebt man die Berg- und Talfahrt mehr oder weniger hautnah mit. Selbst wenn sich der betroffene Mensch nach Kräften bemüht, nichts von seinem Leid, seinen Ängsten und Krisen nach außen sichtbar werden zu lassen, hat er/sie möglicherweise trotzdem Menschen in seinem Umfeld, die etwas mitfühlen können (und wollen!). „Das Mitgefühl halten“ weiterlesen