Als uns ein Psychiater letztens fragte, wann in unserem Leben zum ersten Mal die „verschiedenen Zustände“ bemerkt wurden, erkannten wir 2 Dinge:
1.) Dass es das erste und letzte Gespräch mit diesem Mann sein wird.
2.) Dass es immer wieder so sehr um Haltung geht. Neben Expertise. Und eben auch in uns selbst, auf uns selbst bezogen.
Hinter der Frage, wie eigentlich die Einzelnen von uns bezeichnet werden und wie wir selbst von uns sprechen, steht mehr als Wortklauberei. Es geht dabei um Anerkennung und Verständnis, um Ernstgenommenwerden und Respekt.
Wir haben uns im Laufe der letzten Jahre ein dickes Fell zugelegt und waren zuerst ein bisschen überrascht, wie verletzt und wütend es sich in uns anfühlte, als der Psychiater uns als „Zustände“ bezeichnete. Und wir merkten, dass da eine Spiegelung passierte: Wie ernst nehmen wir uns selbst (gegenseitig)?
Es war uns in letzter Zeit so wichtig, uns abzugrenzen von all den „Lifestyle-DIS“-Darstellungen und der zelebrierten, aufgepimpten (Pseudo-)Vielfalt auf social media, u.a.; wir haben so oft betont, wie schwierig und destruktiv wir die Allmachtsmythen über Täter*innen und sog. „mind control“ finden und dass es sich bei DIS um eine Anpassungsleistung EINES Gehirns handelt, etc.
Dabei haben wir ein bisschen den Blick in unser Inneres verloren, in dem Einzelne nämlich sagen, dass sie „selbstverständlich eine Person!“ sind- kein Anteil, keine „Seite“ und erst Recht kein „Zustand“.
Da ist Angst, mit diesem Selbstverständnis nicht ernst genommen oder abgewertet zu werden- außen und innen.
Wir haben den Eindruck, dass zur nicht enden wollenden „DIS-Glaubensfrage“ genau dieser Aspekt dazugehört: Wie „echt“ sind die Einzelnen des Systems? Wie viel „eigene Identität“ wird ihnen außen und innen zuerkannt? Kann man es sich als professionelle*r Helfer*in leisten, dazu eine andere Haltung als der Rest des Teams zu haben? Was dann?
Sich mit DIS auszukennen ist kein „Status Quo“, sondern ein Prozess. Für alle Beteiligten.
Danke.
So gut zusammengefasst, was wir seit einiger Zeit wahr nehmen.
So ist das.
Wir sind offenbar nicht alleine damit. Tut gut, das zu wissen. Also danke für eure Rückmeldung!
Bei solchen Psychiateräußerungen kriegt man Zustände 🙂
Wenigstens ist dann klar, woran mensch ist.
Danke für den Denkanstoß, wie ernst wir uns selbst mit dem Vielesein nehmen.
Bei uns: Nach innen klar, nehmen wir uns ernst damit. Aber nicht sehr konsequent, was Anderen im Innen Raum geben und sich kümmern usw angeht.
Und nach außen? Runterspielen, wenn wir beim (neuen) Arzt*in die Diagnose manchmal mit auf dem Zettel neben die anderen Diagnosen gesetzt haben.
Im Alltag Wechsel überspielen. Nicht auffallen. Das würden wir in der Öffentlichkeit gar nicht anders wollen.
Aber im ganz nahen Umfeld findet unser Vielesein nur in der Therapie und im Kontakt zu anderen Vielen statt. Das macht traurig und einsam, da würden wir uns etwas mehr wünschen…
Liebe Grüße….
Vielen Dank für euren Kommentar. Wir verstehen und fühlen die Einsamkeit sehr. Und die Anstrengung des Runterspielens. Viele liebe Grüße an euch!
Eurer Beitrag erinnert uns daran, dass unser Bruder sich mit viel Mut an einen Therapeuten gewandt hat und ihm von unserer DIS erzählte, weil ihn all das belastet, was er ja auch miterlitten hat. Dessen Antwort war ohne uns je gesehen zu haben: „Ich halte nichts von dieser Diagnose und denke nicht, dass Ihre Schwester so etwas hat.“ …. Wir haben unserem Bruder geraten die Therapie dort zu beenden, was auch sein Impuls war.
Wir finden es unerträglich, dass trotz Anerkennung im ICD es für mache einfach zu sein scheint, sich über all das hinweg zu setzen.
Ja, das ist tatsächlich unerträglich.
Ich hoffe, dass Euer Bruder an einer anderen Stelle Unterstützung gefunden hat oder noch finden wird. Und Ihr selbstverständlich auch!